Wächtersbach rüstet sich gegen Starkregen


Die Erinnerungen an das Starkregenereignis von 2019 sind für viele Einwohner von Wächtersbach noch präsent. Damals wurden 40 Keller überflutet, besonders betroffen war der Lindenplatz. Um sich zukünftig besser gegen derartige Naturereignisse zu wappnen, hatte die Stadt eine Studie in Auftrag gegeben, die Risiken bewerten und Gegenmaßnahmen aufzeigen soll. Die ersten Ergebnisse dieser Untersuchung wurden kürzlich von Dr. Aron Roland von BGS Wasser während einer gut besuchten Informationsveranstaltung in der Heinrich-Heldmann-Halle vorgestellt.

Bürgermeister Andreas Weiher erinnerte zu Beginn der Veranstaltung an die Ereignisse von 2019, als eine immense Wassermenge einen schmalen Streifen der Stadt überflutete, insbesondere den Lindenplatz. Ein ähnliches Ereignis ereignete sich letztes Jahr in den Stadtteilen Aufenau und Neudorf, wobei erhebliche Schäden entstanden. Weiher betonte, dass solche Unwetter aufgrund des Klimawandels künftig wahrscheinlich häufiger auftreten werden.

Nach den jüngsten Starkregenereignissen hat sich Wächtersbach um präventive Maßnahmen bemüht. Hierbei kam ein Förderprogramm des Landes Hessen gelegen, das eine Analyse der Starkregenrisiken finanziell unterstützt. Die Stadt beauftragte das Büro BGS Wasser mit dieser Aufgabe, und nach einem Jahr liegen nun die ersten Ergebnisse vor.

Die Untersuchung „Starkregenrisikomanagement für das Einzugsgebiet Wächtersbach“ von Dr. Roland begann mit der Kartierung des Einzugsgebiets der Stadt, unter Einbeziehung von topografischen Daten wie Gebäuden, Gewässern und offenen Flächen. Dies führte zu einem Modell aus rund 14 Millionen Dreiecken. Anschließend wurde eine „Sturzflutberechnung“ durchgeführt, basierend auf einem simulierten 100-jährigen Regenereignis, das 50 Millimeter Niederschlag pro Stunde annimmt. Daraus resultierten Daten zu Überflutungen, die hauptsächlich anhand der Fließgeschwindigkeit und der Überschwemmungshöhe bewertet wurden. Die Ergebnisse wurden auf Starkregenrisikokarten visualisiert, die öffentlich zugänglich gemacht werden sollen.

Das Handlungskonzept der Stadt basiert auf den Ergebnissen und umfasst das Zurückhalten und Speichern von Wasser sowie dessen Umleitung, um Schäden zu minimieren. Dies sei bereits durch das bestehende Grabensystem unterstützt, erklärte Roland. 

Er stellte die Risikokarten und potenzielle Schutzmaßnahmen vor, die beispielsweise in Aufenau und Neudorf umgesetzt werden könnten, um das Wasser effektiver zu managen. Dies würde in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung sowie land- und forstwirtschaftlichen Betrieben geschehen. In den kommenden Monaten plant die Stadt Beratungstermine, beginnend in Aufenau, um die Maßnahmen mit allen Beteiligten zu diskutieren.

Während der Veranstaltung präsentierte auch die Feuerwehr Wächtersbach Geräte zur Hochwasserbekämpfung, die vor und nach dem Vortrag von den Besuchern besichtigt werden konnten.

Es war geplant, den Info-Abend per Live-Stream im Internet zu übertragen, was aufgrund von technischen Problemen beim beauftragten Unternehmen jedoch fehlschlug. Die Aufzeichnung des Info-Abends steht aber nun über die Internetseite der Stadt Wächtersbach zum Abruf bereit.